Manchmal ist man eben hinterher schlauer.

Ich bin vor einigen Jahren dienstlich recht munter durch die Weltgeschichte gereist. Türkei, Österreich, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Belgien, Holland, Spanien, Italien, USA etc.
Und irgendwie bin ich zurecht gekommen. Manche Dinge kommen einem komisch vor

  • In Holland gabs zu den Sandwiches MILCH.
  • In der Türkei kam der Teaman und hat Tee und sonstige Erfrischungen gebracht.
  • Eines Tages mitten während der Workshop Woche in İstanbul kamen alle Leute mit Krawatten und langärmelig => Die Sommerzeit war zu Ende und es wurde intern per mail bekannt gegeben dass jetzt wieder formeller Dress erwartet wurde. Wir waren natürlich nicht auf dem Verteiler – peinlich.

Man hat Leute getroffen ein bischen Sightseeing gemacht und im grossen ganzen alles ganz gut hinbekommen.
Na ja und dann musste ich das erste mal nach Belarus. Und eigentlich dachte ich mir, dass soviel anders nicht sein kann.
Ja aber.
Das Essen schmeckt wie bei Muttern. Wenn die Mutter aus dem heutigen Kaliningrad kommt ist das ja rein geographisch gesehen auch recht wahrscheinlich.
Das Klima ist ähnlich wie bei uns. Bischen kälter vielleicht und etwas kontinentaler.
Aber dann wurde ich der Ehefrau des Teamleaders der kleinen Gruppe mit der ich arbeitete vorgestellt und bin natürlich wie ich so bin erstmal hin. Hand schütteln. Hallo sagen. Und ich merkte das war ihr unangenehm. Na ja. Bist halt der “Kunde” hier und daran liegts halt. Gedanken weggeschoben.
Und dann wurde mir die eine Coderin aus unserem Team vorgestellt. Die gab mir die Hand, senkte die Augen und das Gefühl war als hätte man was totes in der Hand. Sie sprach mich auch nicht direkt an sondern ihre – männlichen – Kollegen sprachen für Sie. Na ja alles hier ein bischen hierarchischer. Gedanken weggeschoben. Die können mal in der Moderne ankommen.
So hab ich mir das alles schön geredet. Hat mich doch keiner angesprochen oder getadelt.
Und dann sehe ich eine Fernsehsendung über die Fussball EM in der Ukraine und ein Reporter sagt: der Frau des Hauses gibt man hier nicht die Hand… und mir wurde ganz langsam alles klar. Bin dann ins Web und finde diese Site: Culture Crossing.
Und ich lese:

Belarus

Man greeting Woman – This depends on the relationship between the man and the woman. If they do not know each other, basically they do not touch. A handshake is possible but may be seen as strange by the woman.

Und um das ganze noch etwas schlimmer zu machen:

  • Avoid hard selling tactics and any sort of conflict or confrontation.
  • Important decisions can take a while but simple decisions should be made on the spot. It used to be that people would talk things to death and possibly even then never reach a decision, but it is becoming more straight forward now.
  • At the market and some stores it is possible to negotiate but basically the price is the price. This means that you can ask for more or less, but basically, asking for less money means humiliating the seller. This doesn’t mean this doesn’t happen, but it is offensive to bargain someone down without a real reason.

Ja und da ist es mir dann wie Schuppen von den Augen gefallen. Kurze Überrpüfung mit belarussischen Freunden (ja gibts ich darf da noch hin. So schlimm waren dann die Fettnäpfchen doch nicht) ergab: Stimmt alles soweit.

Und für die Zukunft habe ich mir jetzt vorgenommen solche Sachen VORHER zu lesen.

PS: Man könnte jetzt argumentieren: du bist der Kunde und dein soziales Verhalten sollte auch Berücksichtigung finden. Aber ich finde das stimmt so nicht weil ich bisher immer besser damit gefahren bin mich auf die Leute einzulassen. Dann hatten wir Erfolg – und hoffentlich in Zukunft noch mehr.

PPS: Ich bleibe meinen Eltern dankbar, dass sie mir beigebracht haben alles zu essen. Schweineohren (Belarus) sind eigentlich ganz OK. Wenn man sich mit dem Gedanken abgefunden hat. Und die Kollegen waren fast schon enttäuscht dass ich keine Reaktion gezeigt habe.

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